LISA & JANNIK HARMS

BÄCKEREI HARMS & DE HEIDBÄCKER

Lisa Harms (29) // Jannik Harms (35)

Familienstand: verheiratet

Wohnort: Lüneburg

Unternehmen: Bäckerei Harms GmbH und De Heidbäcker GmbH

Positionen: – // Bäcker, Unternehmer

Standort: Lüneburg und Wittorf

Vorfreude oder Sorge –
Was empfinden Sie, wenn Sie an die Zukunft denken?

Lisa: Auf den zukünftig überlegten Umgang mit unserer Umwelt und die Entwicklung unserer Bäckerei freue ich mich, aber ich sorge mich um die gesellschaftliche Entwicklung und die wachsende Schere in der Gesellschaft.

Jannik: Ich spüre, unabhängig von Covid19, dass sich die Welt derzeit in einem sehr dynamischen Wandel befindet. Und anders als bisher bedeutet eine Anpassung an diesen Wandel vielleicht nicht unbedingt, noch schneller und effizienter werden zu müssen, sondern möglicherweise auch, den einen oder anderen Schritt zurück zu gehen und grundlegende Denk- und Handlungsweisen zu überdenken und zu ändern. Ich empfinde also eine große Lust und Vorfreude auf die Zukunft, bin dabei aber durchaus auch nervös, angespannt und natürlich nicht ganz ohne Sorge.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft?

Lisa: Wir müssen uns der Verantwortung stellen, Ressourcen gerecht zu verteilen. Stellen, gerade im Niedriglohnbereich, werden durch den technischen Fortschritt wegfallen. Wir müssen jetzt dran denken, Jugendlichen den Weg in Bereiche zu ebnen, die wir alle in der Zukunft brauchen werden. Gerade in sozialen Bereichen oder auch im Lebensmittelhandwerk.

Jannik: Meine größte Herausforderung sehe ich darin, unseren ökologischen Fußabdruck noch weiter zu verkleinern. Da wir unsere Backstuben und 18 Filialen ausschließlich ganz lokal im Landkreis Lüneburg betreiben, sind hierfür bereits sehr gute Voraussetzungen gegeben. Wir haben zu diesem Thema viele tolle Ideen und Pläne in der Schublade, die wir die kommenden Monate und Jahre nach und nach herausholen möchten. Dabei möchte ich unser großes Team von rund 175 MitarbeiterInnen nicht nur behalten, sondern gerne noch verstärken.

Was wünschen Sie sich für Lüneburg?

Lisa: Um für die Zukunft gewappnet zu sein, wünsche ich mir eine gute Bildungslandschaft mit gleicher technischer Ausstattung an allen Schulen und in allen Kitas. Heute erziehen wir unsere Zukunft, da sollten wir als Gesellschaft investieren.

Jannik: Eine flächendeckend gute technische Ausstattung aller Schulen, deutlich weniger Bürokratie und eine wieder stärker zusammenwachsende Gesellschaft.

 
Wo sehen Sie sich selbst in 20 Jahren?

Lisa: Meine Kinder sind in 20 Jahren bereits erwachsen. Ich hoffe dann mehr Zeit neben der Selbstständigkeit zu haben, um mich in sozialen Bereichen zu engagieren, die mir am Herzen liegen.

Jannik: Dort, wo ich jetzt bin, nur hoffentlich etwas gelassener und mit mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens.

Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft:
Welches Ihrer Ichs ist Ihnen am liebsten –
und warum?

Lisa: Mein Ich in der Gegenwart. Jetzt und heute kann ich mein Denken und Tun beeinflussen.

Jannik: Die Gegenwart. Ich bin gesund, habe eine gesunde Familie und einen Job, in dem ich so richtig kreativ sein kann.

Was tun Sie selbst dafür,
dass die Zukunft lebenswert wird?

Lisa: Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein wichtiges Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Erst wenn die vollständige Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft verankert ist, haben wir unser maximales Potential erreicht. Als Vorgesetzte pflegen mein Mann und ich einen wertschätzenden Umgang mit unseren MitarbeiterInnen.
Wir übernehmen eine Geschlechter gerechte Sprache in unsere Unternehmenskultur und wollen so dazu beitragen, den respektvollen Umgang miteinander und die Gleichberechtigung zu leben. 
Führungspositionen besetzen in unserer Bäckerei Frauen und Männer zu gleichen Anteilen.

Jannik: Ich versuche vorurteilsfrei, verlässlich, respektvoll, freundlich und empathisch zu sein und hoffe, damit jeden Tag kleine Impulse für ein gutes und harmonisches Zusammenleben zu senden. Bleibt die Hoffnung, dass dies auch so wahrgenommen wird. Den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, versuche ich natürlich nicht nur mit unserem Unternehmen, sondern auch privat.

Wie sollen sich
künftige Generationen an Sie erinnern? 
 

Lisa: Wir sind wie alle Generationen vor uns „Kinder unserer Zeit“, ich hoffe jedoch, dass wir von folgenden Generationen als offen für den Wandel wahrgenommen werden und unsere Bereitschaft zum Umdenken in Bereichen der Umwelt und auch im sozialen Wandel unserer Gesellschaft gesehen wird.

Jannik: Es wäre schön, wenn unsere Generation die großen Probleme unserer Zeit, wie den Klimawandel und soziale Themen, wie die Spaltung der Gesellschaft, gut und friedlich lösen könnte. Ganz persönlich wünsche ich mir, als guter Mensch in Erinnerung zu bleiben und der 6. Generation der Bäckerfamilie Harms einen tollen Betrieb hinterlassen zu haben.

Eine Zeitkapsel befördert Sie in das Jahr 2121: Was sehen Sie?

Lisa: Frauen, die beruflich und finanziell gleich gestellt sind und sich nicht zwischen Teilzeitjob und Kindererziehung zerreißen müssen. Ein globales Steuersystem, in dem das Geld so verteilt wird, dass Schulbildung, Krankenversorgung und ausreichend Nahrung für jeden Menschen auf der Welt zur Verfügung stehen.

Jannik: Roboter, eine erste Kolonie auf dem Mars und natürlich viel gutes Brot vom lokalen Handwerksbäcker.

Wie können sich Unternehmer heute auf die Zukunft vorbereiten? 

Lisa: Vor allem haben Unternehmen heute die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten.

Jannik: Viel lesen, viel informieren, die Augen offen halten und hoffen, dass dann tatsächlich alles ungefähr so kommt, wie man es selbst erwartet. Wichtig ist es meines Erachtens zudem, sich nicht zu sehr an Bewährtes zu klammern, sondern nach dem Motto „try and error“ auch mutig immer wieder Neues auszuprobieren. Die Pandemie hat aber gezeigt, dass allerbeste und vermeintlich zukunftssichere Ideen und Geschäfte auch plötzlich völlig überholt sein können. Es ist also auch sehr viel Glück mit im Spiel!

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie? 

Lisa: Wertschätzenden und überlegten Umgang mit Rohstoffen, Dienstleistungen und Menschen.

Jannik: Schonende Nutzung von Ressourcen, lokales Produzieren, Ein- und Verkaufen, Sorgfalt und ein friedliches Miteinander.

Digitalisierung – Chance oder Hindernis? 

Lisa: Chance! Digitalisierung ermöglicht es uns, effizienter zu arbeiten und macht Kapazitäten frei, die vorher mit Administration und Archivierung gebunden waren.

Jannik: Die Digitalisierung kann sehr wertvoll sein, wenn man sich der dadurch gewonnenen Zeit und Ressourcen auch wirklich bewusst wird und sie wiederum sinnvoll nutzt.

Sind Ihre Produkte/Dienstleistungen zukunftsfähig? 

Lisa: In den letzten 11000 Jahren hat es das Brot immer geschafft, im Wandel der Zeit zu bestehen und war dabei an unzähligen Meilensteinen der Geschichte direkt und indirekt beteiligt.
Eine Welt ohne Brot kann ich mir auch in den nächsten 1000 Jahren nicht vorstellen. 
Unsere lokal produzierten Backwaren sind im Vergleich zu anderen Lebensmitteln sehr Ressourcen schonend und deshalb bin ich überzeugt, dass auch noch viele Generationen nach uns Energie und Genuss aus dem Verzehr von Backwaren gewinnen werden.

Jannik: Davon gehe ich im Moment aus. Ich glaube allgemein an eine große Beständigkeit und Zukunftsfähigkeit des Handwerks, auch weil wir immer noch sehr individuelle und vielfältige Leistungen erbringen. Das heißt natürlich nicht, dass sich auch das Handwerk ständig wandeln und anpassen muss. Dies war jedoch schon immer so. Wir geben unser Bestes, um unsere KundInnen auch zukünftig jeden Tag aufs Neue überzeugen zu können!

Jan-Peter Bauck

BAUCK GmbH

Benjamin Redeleit & Nils Junker

REDELEIT & JUNKER

Nele & Andreas Kammlott

Kaneo GmbH